
Weggeworfene Fastfood-Verpackungen, Einwegbecher und Zigarettenkippen - Hessens Städte kämpfen mit anhaltenden Problemen durch achtlos entsorgten Abfall. Dieses sogenannte "Littering" verunstaltet das Erscheinungsbild der Städte, bindet Kapazitäten in den Verwaltungen und verursacht hohe Kosten für die Allgemeinheit. Wie ist die Situation vor Ort und was sich tun lässt, damit Vermüllung erst gar nicht entsteht?
Was wird weggeworfen?
Ob Grill-Event im Park oder die Mittagspause in der Stadt - Einwegverpackungen rund ums Essen und Trinken machen einen beträchtlichen Teil des illegal entsorgten Mülls aus, wie es etwa aus Marburg heißt. Dazu gehören achtlos zurückgelassene Einweggrills und Lebensmittelverpackungen ebenso wie Fastfood-Packungen, Dosen und Coffee-to-go-Becher. Aber auch ihren Sperrmüll, alte Autoreifen, Elektro-Altgeräte, Bauschutt sowie Gefahrgut wie Lacke, Öle, Lösungsmittel und andere Stoffe lagern manche Müllsünder illegal ab, ohne sich um eine ordnungsgemäße Entsorgung zu kümmern.
Welches sind die Hotspots?
Besonders groß ist das Abfall-Aufkommen meist an belebten Plätzen, an denen sich Menschen länger aufhalten, wie an Bahnhöfen, rund um Bushaltestellen, aber auch auf Grünflächen und in Parks. Im Umfeld von Unterführungen und Brücken sowie an Standplätzen von Altkleider-Containern wird ebenfalls reichlich Müll hinterlassen.
Hinzu kommen Parkplätze wie in Rüsselsheim oder Flüsse wie die Lahn in Marburg, die immer wieder als Müllkippe missbraucht werden. Vor allem sperriger Müll findet sich in dem Fluss - von Diebesgut wie gestohlenen Fahrrädern bis hin zu Einkaufswagen.
In Kassel finden die Stadtreiniger besonders viel Abfall vor allem bei schönem Wetter an zentralen Plätzen mit hohem Erholungswert oder an beliebten Treffpunkten junger Menschen, wie ein Stadtsprecher sagte. Die Reinigungsintervalle seien an vielen Stellen im Stadtgebiet intensiviert und die Teams für Stadtsauberkeit personell aufgestockt. Auch seien mehr Papierkörbe aufgestellt worden.
Welche Gründe hat das "Littering"?
Einen allgemein sorgloseren Umgang mit Müll und Bequemlichkeit sehen die Städte als Hauptgrund für das wilde Wegwerfen von Abfall. "Das Verhalten und damit die Verantwortung gegenüber Umwelt und Natur hat sich in den vergangenen Jahren deutlich zum Negativen verändert", heißt es aus Gießen. "Selbst wenn der Abfalleimer nur drei Meter entfernt steht, wird der Abfall einfach liegen gelassen, oder der Einweggrill nicht weggeräumt." Hinzu kommt, dass die Stadtreinigung und Abfallentsorgung in der mittelhessischen Stadt unterbesetzt sind - derzeit laufen Stellenausschreibungen.
"Das veränderte Konsumverhalten mit einem starken Trend zur "To-go-Kultur" hat in jedem Fall zu einer Zunahme von Verpackungsabfällen im öffentlichen Raum geführt", erklärt die Stadt Kassel. Hinzu komme ein mangelndes Problembewusstsein. "Das Liegenlassen von Abfällen wird von den Verursachern häufig als Bagatelle angesehen."
Was sind die Folgen?
Wer seinen Müll einfach irgendwo auf Straße, Bürgersteig oder in der Natur hinterlässt, statt ihn in Abfalleimern, Mülltonnen oder bei Wertstoffhöfen zu entsorgen, verursacht vor allem hohe Folgekosten - denn das Einsammeln von Hand ist extrem arbeitsintensiv. Teils werden auch teure Spezialmaschinen benötigt, etwa zur Entfernung von Zigarettenkippen oder Kaugummis aus Pflasterfugen. Auch illegal entsorgter Sperrmüll belaste das städtische Budget, erklärt die Stadt Gießen. "Am Ende zahlen die Bürger die Kosten über steigende kommunale Abfallgebühren."
Auch die Umwelt leidet: So verseuche eine einzige Zigarettenkippe bis zu 40 Liter Grundwasser mit Nikotin und Schwermetallen, und Vögel sowie Kleintiere könnten Plastikmüll mit Nahrung verwechseln oder sich darin verfangen. Die Stadt Rüsselsheim verweist auf das Risiko der Vermehrung von Ratten durch die illegale Ablagerung von Speiseresten. Zugemüllte Flächen minderten die Lebensqualität in der Stadt und führten zu steigenden Reinigungskosten, heißt es aus Kassel.
In Hanau müssen laut Kampagne "JuchHU sauber" jährlich rund 180 Tonnen illegaler Müll beseitigt werden - das verursache Kosten von rund 100.000 Euro, die letztlich alle Bürgerinnen und Bürger tragen müssten. Und auch Hessens größte Stadt Frankfurt beklagt, dass es immer wieder zu illegalen Abfallablagerungen komme, die eine "vermeidbare Gefährdung für Umwelt, Mensch und Tier" sowie hohe Kosten für die Beseitigung nach sich zögen.
Welche Angebote können die Bürger nutzen?
Das ist von Stadt zu Stadt verschieden und reicht von Recycling- und Wertstoffhöfen über Grüngutannahmestellen bis hin zu Altglas- und Altpapier-Containern. In Marburg etwa ist die Sperrmüllabholung für jeden Haushalt zweimal im Jahr kostenlos und kann laut Stadtverwaltung bequem online über die städtische Homepage, per Postkarte oder persönlich bestellt werden.
Die Stadt Gießen hält auf ihrer Homepage umfassende Informationen zur Abfallentsorgung bereit - vom Elektroschrott über Bioabfall bis zur Schadstoffsammlung. Dort finden sich auch Ansprechpartner für den Fall, dass Bürger illegale Müllablagerungen in der Stadt feststellen. Über eine Telefonnummer kann ein "SOS-Team" kontaktiert werden, das solche Ablagerungen beseitigt. Auch in Frankfurt können Bürger wilde Müllkippen über den Mängelmelder des Bürgerbeteiligungsportals melden. Wer Abfallsünder als Zeuge beobachtet, ist zudem aufgerufen, entsprechende Infos an das Ordnungsamt weiterzugeben.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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