
Nach einem denkwürdigen Abend vor den Pyramiden von Gizeh musste wohl auch der deutsche Box-Star Agit Kabayel etwas durchschnaufen. Der Bochumer erlebte als Zuschauer und Pflichtherausforderer das abrupte Ende eines Schwergewichtsspektakels, bei dem der dreifache WM-Champion Oleksandr Usyk nur knapp einer Niederlage entkam.
Der im regulären Boxen als Außenseiter gehandelte Kickboxer Rico Verhoeven brachte den Ukrainer an den Rand der ersten Pleite im 25. Profi-Duell des Superstars. Die Entscheidung für technischen Knockout durch Usyk löste große Diskussionen in der Boxwelt aus. Und die Herausforderung von Kabayel an Usyk ging im Trubel nach Kampfende fast etwas unter.
Kabayel: "All die deutschen Fans warten"
"Deutschland ist bereit für den Kampf. All die deutschen Fans warten. Ich weiß, dass viele ukrainische Menschen auch in Deutschland leben. Lass es uns in einem deutschen Stadion austragen", sagte der Bochumer, der mit einem Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den Ring betreten hatte. "Lass es uns machen, kein Problem", entgegnete Usyk, der dennoch vage blieb.
Der einflussreiche Box-Investor Turki al-Sheikh, der zuletzt einen Kampf des ebenfalls ungeschlagenen Kabayel in Deutschland ins Spiel brachte und unterstützen will, klang neben Kabayel im Ring nicht mehr so eindeutig: "Er steht in der Schlange", sagte er und zeigte auf Kabayel. Gleichzeitig brachte er einen Rückkampf in den Niederlanden ins Spiel.
Kabayels Promoter formulierten den Plan klarer. "Agit ist der interimistische WBC-Champion und der Nächste in der Reihe. Usyk muss ihn jetzt entweder bekämpfen oder den Titel niederlegen, so einfach ist das", teilte Queensberry-Promoter Frank Warren auf der Plattform "X" mit.
Zuvor hatte der Präsident des Verbands WBC, Mauricio Sulaimán, bestätigt, dass der Gewinner des Kampfes in Gizeh gegen Kabayel kämpfen werde. Der Verband hatte den dreifachen Weltmeister im Februar dazu verdonnert, nach seinem freiwilligen Titelkampf gegen Kickboxer Verhoeven gegen Kabayel anzutreten. Ein möglicher Kampf könnte im Herbst in Düsseldorf oder Gelsenkirchen über die Bühne gehen.
Experte zum Ausgang: "Das ist lachhaft"
Der Ausgang des ungewöhnlichen Crossover-Duells vor spektakulärer Kulisse vor den Pyramiden von Gizeh bringt das Schwergewicht allerdings etwas ins Wanken. In Verhoeven trat ein Kickboxer an, der seinen zweiten regulären Profi-Kampf bestritt - und der hätte den Superstar der Gewichtsklasse fast besiegt.
Dennoch verpasste Usyk - Bezwinger von Größen wie Tyson Fury und Anthony Joshua - seinem Kontrahenten einen Uppercut-Treffer und der Niederländer musste sich kurz schütteln. Daraufhin stoppte Ringrichter Mark Lyson überraschend frühzeitig den Kampf nach elf von zwölf Runden.
"Das ist echt lachhaft", sagte Experte Bernd Bönte bei DAZN über die Entscheidung. Usyk habe seinen Zenit überschritten, meinte der frühere Manager der Klitschko-Brüder. "Das ist nicht mehr dieser explosive Usyk, den wir gesehen haben", fügte er hinzu.
Usyk widmet Sieg "dem ukrainischen Volk"
Der Ukrainer, dessen WBA- und IBF-Gürtel nicht auf dem Spiel standen, agierte bei seiner freiwilligen Titelverteidigung um den WM-Gürtel des Verbands WBC überraschend schwach und träge. "Vielen Dank, Rico, du bist ein großartiger Kämpfer", sagte Usyk, der den Sieg "dem ukrainischen Volk" und den ukrainischen Soldaten im russischen Angriffskrieg gegen sein Land widmete.
Verhoeven reagierte "bittersüß" nach dem Duell. "Ich fand, es war ein frühes Ende, aber am Ende ist das nicht meine Entscheidung", sagte Verhoeven. Auf dem Weg ins Hotel legte er beim Portal "Boxing News" nach: "Nach dem Gong haben sie den Kampf abgebrochen. Der Gong hat also geläutet, und dann haben sie den Kampf abgebrochen. Ich glaube, wir sollten Einspruch einlegen, denn das ergibt überhaupt keinen Sinn."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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