
Uli Hoeneß schimpft über "Unverschämtheiten", Fanvertreter zeigen hingegen Verständnis für die Protestaktionen mit massivem Pyro-Einsatz beim DFB-Pokalfinale. Die Vorfälle auf den Rängen des Berliner Olympiastadions sorgen auch im Nachspiel für Emotionen. Double-Gewinner FC Bayern und Finalverlierer VfB Stuttgart drohen wegen des Verhaltens ihrer Anhänger Geldstrafen in sechsstelliger Höhe.
Die Protestaktion richtete sich gegen die hohen Ticketpreise für die Partie und die aus Sicht der Fans unverhältnismäßige Rechtsprechung des Deutschen Fußball-Bunds bei Fanvergehen. Und sie dürfte beim kritisierten Verband nicht gut ankommen. Wie der DFB auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, wird sich der Kontrollausschuss des Verbandes mit der extremen Pyro-Show beider Fanlager "beschäftigen".
Weitere Einschätzungen zu der massiven Kritik der Fans und der verunglimpfenden Wortwahl auf großen Transparenten wolle man aber noch nicht abgeben, hieß es. Auch zu der Frage, wie die großen Transparente und massenhaften Fackeln überhaupt ins Olympiastadion gelangen konnten, äußerte sich der DFB bislang nicht.
"Wir freuen uns über eine lebendige Fankultur. Diese darf aber nicht dazu führen, dass die Kurven über Spielunterbrechungen oder gar -abbrüche entscheiden", hatte der Verband noch während des Spiels mitgeteilt.
Hoeneß: "Hart durchgreifen"
Bayerns Ehrenpräsident Hoeneß wählte am Sky-Mikrofon drastischere Worte: "Die Vereine, der DFB und die Politik müssen hart durchgreifen, dass solche Unverschämtheiten nicht mehr passieren", sagte der 74-Jährige und forderte Konsequenzen. "Das ist typisch in unserer Gesellschaft, dass es immer nur in eine Richtung geht. Dabei hat sich der DFB gar nichts zuschulden kommen lassen."
VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle meinte: "Generell ist es so, dass wir die Fan-Kultur unterstützen." Er wünsche sich aber, "dass es nicht zu Spielunterbrechungen führt, weil der Fußball schon die 90 Minuten im Mittelpunkt stehen sollte."
Verständnis für die Protestaktionen äußerte die Faninteressenvertretung "Unsere Kurve". "Inhaltlich unterstützen wir die Kritik beider Fanlager", teilte "Unsere Kurve" auf dpa-Anfrage mit. "Dass Kritik sich starker Bilder bemüht, wenn sie ansonsten Gefahr läuft, nicht wahrgenommen zu werden, können wir nachvollziehen. Auch die Menge zeigt, dass es trotz immer repressiverer Maßnahmen nicht gelingt, Pyrotechnik vom Stadion fernzuhalten und es neue Wege in dieser Diskussion braucht."
Beleidigende Fan-Gesänge
Die Anhänger beider Vereine hatten während der Partie ihren Unmut über den DFB zum Ausdruck gebracht. Mit Sprechchören und auf Transparenten wurde der Dachverband in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit des Endspiels verunglimpft. Ein riesiges Banner mit einem durchgestrichenen DFB-Wappen wanderte einmal um den Unterring des Olympiastadions. Darauf waren die Wörter Kläger, Richter, Henker zu lesen.
Zum Abschluss der offensichtlich konzertierten Aktion zündeten beide Fanlager massive Pyrotechnik und sorgten dadurch unmittelbar nach dem ersten von drei Bayern-Toren für eine Spielunterbrechung durch Referee Sven Jablonski.
Diese Zwangspause dürfte nun zusätzlich strafverschärfend für die Vereine sein, denn laut der "Richtlinie für die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses" erhöhen sich Geldstrafen bei einer Unterbrechung zwischen einer und fünf Minuten um 50 Prozent.
Arminia Bielefeld erhielt im Vorjahr rund 50.000 Euro Strafe
Je Pyro-Fackel berechnet der DFB bei Bundesligisten 1.000 Euro, pro illegalem Banner werden je nach Größe zwischen 2.000 und 8.000 Euro fällig. Die zu erwartenden Strafen für die Clubs könnten sich demnach in sechsstelliger Höhe bewegen. Im Vorjahr musste Finalist Arminia Bielefeld rund 50.000 Euro für Pyro-Vergehen seiner Fans bezahlen, als damaliger Drittligist war der Sockelbetrag für den Verein allerdings geringer.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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