
Sportsoziologe Gunter Gebauer hat den Anruf von US-Präsident Donald Trump an FIFA-Boss Gianni Infantino nach der Rot-Sperre für Nationalspieler Folarin Balogun als schweren Eingriff einer politischen Macht in die Autonomie des Sports kritisiert. "Für diese Einschätzung ist es im Grunde unerheblich, ob Trump wirklich durch seinen Anruf den Vorgang bewirkt hat, oder ob er sich nur damit brüstet", sagte Gebauer der "Süddeutschen Zeitung". Die Sperre Baloguns für das Achtelfinal-Duell der USA mit Belgien (1:4) wurde nach dem Anruf aufgehoben.
Trump sei ein "Schummler", erklärte Gebauer. "Die Einmischung kommt von einem Mann, von dem berichtet wird, dass er beim Golfspielen den Ball hinter dem Rücken seiner Mitspieler einfach verlegt, sodass er eine günstigere Ausgangsposition hat."
Gebauer: Trumps Verhalten ist "unerhört"
Es sei fatal, dass die "höchste politische Autorität des Veranstalterlandes" sich eingeschaltet habe, um zugunsten seiner Mannschaft einen Vorteil herauszuholen. "Das ist unerhört. Nehmen Sie zum Beispiel die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland. Da saß Adolf Hitler auf der Tribüne und hat nicht ein einziges Mal eingegriffen. Obwohl er später alle möglichen Verträge gebrochen hat, muss man sagen: Selbst der Gastgeber Hitler hat sich an die Regeln des Sports gehalten."
Auch das Verhalten von FIFA-Chef Infantino kritisierte Gebauer. "Der Präsident der FIFA hat sich Trump ja regelrecht an die Brust geworfen. Er hat ihm einen Friedenspreis überreicht, den es gar nicht gibt, den er im Namen der FIFA einfach erfunden hat. Das ist schon etwas, was noch nie vorgekommen ist. Er hat ihm auch schon eine Goldmedaille umgehängt. Auch jetzt tut er offenbar alles, um den amerikanischen Präsidenten zu umschmeicheln."
Klare Niederlage auch mit Balogun in der US-Startelf
US-Topstürmer Balogun war beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit Rot vom Platz geflogen und damit für die Achtelfinal-Partie gegen Belgien gesperrt worden. Die FIFA hob die Sperre aber überraschend auf.
Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten, was für große Kritik gesorgt hatte. Balogun stand gegen Belgien zwar in der Startelf des WM-Mitgastgebers, spielte in dem Duell aber keine große Rolle.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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