
Im Schatten von Lionel Messis großem Comeback-Drama mit Argentinien kriegte sich Ägyptens Nationaltrainer Hossam Hassan vor Wut kaum noch ein. "Ich glaube, die Auswirkungen dieses Ergebnisses reichen weit über die Niederlage selbst hinaus, denn wir haben weder Respekt noch Fairplay erfahren", sagte der 59-Jährige. Und Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich ergänzte bei MagentaTV: "Alle strittigen Entscheidungen sind gegen Ägypten getroffen worden."
Dass kurz vor dem argentinischen 3:2 in der Nachspielzeit Ägypten keinen Elfmeter erhielt und nicht einmal der Videoschiedsrichter eingriff, kann durchaus als Spiegelbild der schlechten Schiedsrichterleistungen bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft herhalten. Der ungeahndete Tritt von Messi im ersten Gruppenspiel, der ausgebliebene Elfmeterpfiff für Kylian Mbappé gegen Senegal, das fast schon anarchische Getrete von Paraguay im Achtelfinale gegen die Franzosen - die Liste der Fehlentscheidungen ist lang und offenbar noch lange nicht komplett.
"Die Schiedsrichter sind schlicht nicht gut genug. Die vierten Offiziellen sind nicht gut genug. Das ist das Fazit", sagte Englands Trainer Thomas Tuchel nach dem Achtelfinale gegen Mexiko. In dem Spiel hatte Tuchels Verteidiger Jarrell Quansah nach Eingriff des Videoschiedsrichters zurecht die Rote Karte gesehen. Der Schiedsrichter hatte noch nicht mal ein Foul gepfiffen.
Die Causa Balogun als Tiefpunkt
Nur einen Tag zuvor hatte der usbekische Schiedsrichter Ilgiz Tantashev beim Spiel von Frankreich gegen Paraguay für Diskussionen gesorgt. Obwohl die Südamerikaner die überlegen Franzosen weit über das Erlaubte hinaus mit Schlägen und Tritten bearbeiteten, überstanden sie das Achtelfinale ohne Gelbe Karte. "Ich habe das ganze Spiel nur mit dem Kopf geschüttelt", sagte der Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich, der bei MagentaTV als Experte im Einsatz ist. "Das war die schlechteste Leistung bei dieser WM."
Wobei diese einige Tage später vom Weltverband selbst und nicht von einem Schiedsrichter geboten wurde. Nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Präsident Gianni Infantino sorgte eine FIFA-Entscheidung für weltweite Fassungslosigkeit. US-Stürmer Folarin Balogun erhielt nach seiner Roten Karte im Achtelfinale statt einer Sperre nur eine Bewährungsstrafe. Infantino betonte die Unabhängigkeit der Entscheidung. Die USA schieden gegen Belgien auch mit Balogun aus.
Dabei war die Endrunde bisher an mäßigen Schiedsrichterleistungen nicht arm. Gleich bei seinem ersten Spiel trat Messi dem Algerier Aissa Mandi mit offener Sohle von hinten auf die Wade. Eine klare Rote Karte, doch nicht einmal der Videoschiedsrichter griff ein. Und Messi? Spielte weiter und schoss drei Tore. Der Schiedsrichter Szymon Marciniak? War zehn Tage später wieder im Einsatz.
Schiedsrichter dürfen sich nicht äußern
Die Nicht-Eingriffe des VAR lassen bisweilen Fragen aufkommen. Im Spiel von England gegen Ghana hätten die Afrikaner nach einem klaren Foul von Ezri Konsa einen Strafstoß erhalten müssen. Doch der Pfiff blieb aus. Ghanas Trainer Carlos Queiroz kommentierte: "Wieder einmal hat der VAR einen Kaffee getrunken. Das ist verständlich, ich würde mir auch ab und zu gern einen Kaffee gönnen, aber es war ein klarer Elfmeter, Rote Karte."
Greift der VAR ein, heißt das auch noch nichts. Schiedsrichter Alireza Faghani verweigerte Mbappé im Spiel gegen den Senegal nach einem Zweikampf mit Sadio Mané den fälligen Elfmeter. Der Video-Assistent bat ihn zum Bildschirm, doch der Iraner bleib bei seiner Meinung. Wie er dazu kam? Unklar. Schiedsrichter dürfen sich während des Turniers nicht öffentlich äußern.
Das ist Pierluigi Collina vorbehalten. Der Schiedsrichterchef der FIFA hat vorgegeben, dass Spiel laufen zu lassen, wenn es nur irgendwie geht. Die Schiedsrichter setzen dies recht überambitioniert um. Die Vermutung: Man möchte der Linie des großen Collina gerecht werden und bei der WM weiter eingesetzt werden. Auch Ex-Referee Thorsten Kinhöfer glaubt das, im ZDF sagte er: "Wenn man bei so einem großen Turnier als Schiedsrichter nominiert wird, dann macht man natürlich das, was der Chef sagt. Was Collina sagt, ist dann Gesetz."
Kritik an Schiedsrichterchef Collina
Harsche Kritik an Collina gab es nach dem deutschen Aus gegen Paraguay. Dort wurde das 2:1 von Jonathan Tah aberkannt, da der Torwart der Südamerikaner zuvor gefoult worden sein soll. Collina bezeichnete dies in seinem schriftlichen WM-Zwischenfazit als korrekt. Das Problem: Dass Torhüter wieder besser zu schützen sind, hatte der Italiener vorher nach eigenen Angaben nur an Trainer und Spieler kommuniziert. Der Rest der Welt wurde durch seinen Zwischenbericht informiert. Also im Nachhinein.
Diese fehlende Kommunikation bemängelte Ittrich. "Das wirkt wie eine erfundene Erklärung", sagte der 47-Jährige. "Wenn es so ist, dass Collina genau das gesagt hat, dann ist es nachvollziehbar. Aber so was im Nachhinein zu kommunizieren, ist schwierig nachzuvollziehen." Collinas Credo ist, dass die Spieler das Spiel entscheiden sollen, nicht die Schiedsrichter. Bisher hinterlässt diese WM bisweilen einen anderen Eindruck.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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