
Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht in der Debatte um die Kritik an WM-Gastgeber USA und dem Fußball-Weltverband FIFA eine deutsche Vorverurteilung. "Wir haben leider die Tendenz entwickelt, andere Länder zu beurteilen, obwohl wir sie in Wahrheit gar nicht kennen. Wir spielen uns auf als oberster Richter der Welt", sagte der 61-Jährige der Funke Mediengruppe. Man solle sich bei der WM auf den Fußball konzentrieren und Respekt gegenüber den Gastgebern zeigen.
Klinsmann, der selbst schon lange in den USA lebt, betonte, dass er die Kritik verstehe und die Probleme sehe. Dennoch empfahl er, unbedingt als Fan in die USA zu reisen. "Wer sich ein Bild von einem Land machen will, sollte das vor Ort tun. Aus dem heimischen Sessel alles beurteilen zu wollen, ist ja genau das, was mich so stört", sagte der Ex-Nationalspieler. Amerika sei trotz aller derzeitigen Probleme ein großartiges Land.
Erinnerung an Katar
Vor allem an den USA und dem Fußball-Weltverband FIFA war zuletzt Kritik aufgekommen. Diese reichte vom Krieg des Co-Gastgebers gegen den Iran, die innenpolitische Unruhe, den hohen Ticketpreisen und die teils drastischen Preissteigerungen bei Unterkünften und im öffentlichen Nahverkehr während der WM.
Klinsmann riet der Nationalmannschaft außerdem dazu, sich nicht wie in Katar vor vier Jahren politisch zu positionieren. Damals hielten sich die Spieler beim Mannschaftsfoto vor dem Spiel gegen Japan aus Protest gegen das FIFA-Verbot der One-Love-Kapitänsbinde die Münder zu. "Da wusste ich schon, dass diese WM brutal in die Hose gehen wird. Das war absolut respektlos gegenüber dem Gastgeber. Ich hoffe, dass wir unsere Lektion gelernt haben", meinte Klinsmann. Man werde nicht Weltmeister, wenn man "irgendwelche gesellschaftspolitischen Themen rauf und runter" diskutiere.
Sorge um Sohn
In großer Sorge ist Klinsmann privat um seinen Sohn Jonathan, der am vergangenen Samstag beim Spiel seines Clubs AC Cesena einen Halswirbelbruch erlitten hatte.
"Ich denke, dass sich jeder vorstellen kann, was es bedeutet, wenn man eine solche Nachricht als Eltern erfährt und dann noch die Bilder sieht, wie der Sohn vom Platz getragen wird", sagte Klinsmann. Die Genesung werde dauern. Der 29 Jahre alte Torwart war in Heidelberg operiert worden.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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