
Jahrelang galten die Duelle zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt als das Nonplusultra im deutschen Handball. Der Rekordmeister gegen die "Hölle Nord" – kaum eine Begegnung elektrisierte die Bundesliga mehr als das prestigeträchtige Nordderby. Diese Zeiten sind vorbei, die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben. Jetzt ist das Ost-Derby zwischen dem deutschen Meister SC Magdeburg und dem Verfolger Füchse Berlin auf dem Weg, der neue deutsche Klassiker zu werden.
Gidsel: "Unfassbare Rivalität"
Es ist das Duell der erfolgreichsten HBL-Mannschaften der vergangenen Jahre. Zwei Clubs, die national und international den Takt vorgeben. Deutscher Meister gegen Vizemeister. Champions-League-Gewinner gegen Pokalsieger. An diesem Samstag (15.00 Uhr) steht im Halbfinale der Königsklasse die nächste Runde an.
"Magdeburg gegen Berlin ist zu einem modernen Klassiker geworden, sowohl in Deutschland als auch in Europa", befand Füchse-Welthandballer Mathias Gidsel und sprach von einer "unfassbaren Rivalität".
Es ist eine Revanche für das Vorjahres-Endspiel, in dem das SCM-Team von Erfolgsarchitekt Bennet Wiegert souverän triumphierte. "Der SC Magdeburg und die Füchse Berlin sind in jedem Spiel favorisiert, also sind sie auch in diesem Halbfinale der Champions League beide Favoriten. Ich rechne mit einem engen Spiel, das erst in den letzten Aktionen entschieden wird", sagte Bundestrainer Alfred Gislason der Deutschen Presse-Agentur.
"Das Beste, was der deutsche Handball zu bieten hat"
Die Bühne für das Spitzenspiel könnte nicht größer sein. Rund 20.000 Fans warten in der Kölner Arena, die in Spielerkreisen längst den Beinamen "Kathedrale des Handballs" trägt. Das zweite Halbfinale zwischen Aalborg HB aus Dänemark und dem Königsklassen-Rekordsieger FC Barcelona (18.00 Uhr) komplettiert den "Superbowl des Handballs", wie Gidsel das Final4 titulierte, "hier treffen die Giganten aufeinander."
Stefan Kretzschmar nannte es "das Beste, was der deutsche Handball zu bieten hat". Und Gislason? Der wollte sich nicht festlegen, welches Derby reizvoller sei. "Auch wenn Magdeburg und Berlin derzeit sicher herausragend sind, gibt es in Deutschland nicht den Handball-Klassiker. Gerade das macht die Bundesliga so herausragend", sagte der Isländer.
Die unterschiedlichen Identitäten beider Vereine verleihen dem Duell zusätzliche Brisanz. Der SCM steht für eine Handball-Tradition mit großer Fanbasis und zahlreichen Erfolgen seit DDR-Zeiten. Die Füchse verkörpern dagegen den modernen Aufstieg eines Hauptstadt-Clubs, der sich erst im vergangenen Jahrzehnt in der Spitze etabliert hat.
Hanning: Würde mich nicht wundern, wenn wir gewinnen
Für die Berliner ist es das zweite Mal im Halbfinale des europäischen Spitzenwettbewerbs. "Das war kein Zufall letztes Jahr. Ich hoffe, wir machen das Final4 nochmal grün", appellierte Gidsel mit Blick auf die Vereinsfarbe an die Füchse-Fans. Das Gefühl, vor wenigen Wochen an selber Stelle den Pokalsieg errungen zu haben, soll beflügeln. "Ich glaube, dass das maximal hilft. Du fährst in etwas, was du kennst", befand Vereins-Boss Bob Hanning.
Der 58-Jährige hatte schon nach dem dramatischen Siebenmeter-Krimi im Viertelfinale gegen Veszprem gewohnt angriffslustig erklärt: "Ich würde mich nicht wundern, wenn wir die Champions League gewinnen."
Magdeburg zurück im Wohnzimmer
Für Magdeburg ist das Terrain außerhalb der heimischen Getec-Arena dagegen fast schon wie ein zweites Wohnzimmer. Zum dritten Mal seit 2023 kehren die Elbestädter in den Kölner Handball-Tempel zurück, um Europas Thron zu besteigen.
"Ich finde, wir haben uns Jahr für Jahr gesteigert. Die aktuelle Mannschaft ist vielleicht die beste, in der ich gespielt habe. Neun, zehn sehr gute Spieler - aber die anderen Mannschaften am Wochenende sind auf dem gleichen Level", warnte Kapitän Christian O'Sullivan vor seinen letzten Auftritten mit dem SCM.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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