
- Julian Nagelsmann – unrühmlicher Abschied von der Nationalmannschaft
- Ex-Bundestrainer bei der Mannschaft unbeliebt?
- Nur ein Spieler bedankt sich bei Nagelsmann nach Pleite bei der Fußball-WM
Sechs Tage sind vergangen, seit Julian Nagelsmann seinen Rücktritt als Bundestrainer verkündete. Zehn Tage, seit die deutsche Nationalmannschaft bei der WM gegen Paraguay ausschied. Doch von den 26 Kaderspielern hat sich bislang nur ein einziger öffentlich beim scheidenden Coach bedankt.
Dabei mangelt es den DFB-Stars keineswegs an Möglichkeiten, ihre Gedanken zu teilen. Manuel Neuer erreicht auf Instagram 15 Millionen Menschen, Joshua Kimmich knapp neun Millionen – mehr als dreimal so viele wie Bundeskanzler Friedrich Merz mit seinen 2,8 Millionen Followern. Die Spieler nutzen ihre Kanäle regelmäßig für Sponsoreninhalte, persönliche Statements und Urlaubsfotos.
Kein Wort des Dankes für Julian Nagelsmann nach WM-Aus
Nach dem WM-Aus beschränkten sich die Posts auf Enttäuschungsbekundungen und Entschuldigungen an die Fans. Für den Trainer, mit dem sie rund drei Jahre zusammenarbeiteten, fand sich kein Wort.
Ausgerechnet Rüdiger springt für ihn in die Bresche
Die einzige öffentliche Würdigung kam von unerwarteter Seite: Antonio Rüdiger, der unter Nagelsmann seinen Status als Abwehrchef eingebüßt hatte, stellte sich bereits unmittelbar nach dem Abpfiff gegen Paraguay vor seinen Trainer. Auf die Frage eines Reporters nach Nagelsmanns Anteil am Scheitern antwortete der Real-Madrid-Verteidiger: "Meiner Meinung nach keinen. Unser Trainer hat uns alles mitgegeben und nochmal für alle: Er ist ein Top-Trainer."
Später veröffentlichte Rüdiger auf Instagram eine Story mit einem gemeinsamen Foto: "Danke für dein Vertrauen, deinen Einsatz und deine Expertise, Coach! Wünsche dir nur das Beste für deine weitere Karriere!" Nagelsmann hatte sich in der Vergangenheit mehrfach schützend vor den 86-fachen Nationalspieler gestellt, als dieser als Problemprofi kritisiert wurde.
Die Bayern-Connection schweigt geschlossen
Besonders auffällig ist das Schweigen jener Spieler, die Nagelsmann bereits aus gemeinsamen Münchner Zeiten kennen. Beim FC Bayern arbeitete der 38-Jährige mit Neuer, Kimmich, Leroy Sané, Jamal Musiala und Leon Goretzka zusammen – teilweise über mehrere Jahre hinweg. Dennoch fand keiner von ihnen öffentlich ein Wort des Dankes für den scheidenden Bundestrainer.
Immerhin hatte Kimmich nach der Paraguay-Niederlage betont, man solle die Schuld nicht beim Trainer suchen: "Am Ende haben wir es leider wieder verbockt." Doch für einen Social-Media-Post reichte es offenbar nicht. Stürmer Deniz Undav formulierte lediglich allgemein: "Danke für diese Chance" – versehen mit einer Deutschland-Flagge, ohne Nagelsmann namentlich zu erwähnen.
Durchkalkuliertes Schweigen?
Die Zurückhaltung der Nationalspieler könnte durchaus Methode haben, vermutet die "Bild". Beiträge in sozialen Netzwerken werden bei vielen Profis von Agenturen betreut, mehrfach besprochen und strategisch geplant – spontane Inhalte sind die Ausnahme. Dass Nagelsmann in keinem dieser durchdachten Posts vorkommt, ist daher bemerkenswert.
Im deutschen Fußball wird spekuliert, ob die Spieler und ihre Berater befürchten, durch eine Erwähnung des Ex-Trainers in die auf ihn einprasselnde Kritik hineingezogen zu werden. Möglicherweise haben sich einige Akteure privat bei Nagelsmann gemeldet und für die gemeinsame Zeit bedankt. Für öffentliche Worte reichte es offensichtlich nicht.
Nagelsmann selbst dankte in einer DFB-Pressemitteilung ausdrücklich den Spielern, "mit denen ich vertrauensvoll zusammenarbeiten durfte".
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