
Sein Sensations-Gold vergaß Skispringer Philipp Raimund für kurze Zeit. "Ich fühle mich nicht so happy", schimpfte der 25 Jahre alte Olympiasieger von der Normalschanze. Das Schneechaos von Predazzo und der vorzeitige Abbruch im Super Team brachten Raimund womöglich um sein zweites Edelmetall. Viel mehr als die Heldentat des gebürtigen Göppingers war von den deutschen Skispringern in Italien allerdings nicht zu sehen. Raimund und sonst nichts.
"Der Olympiasieg überragt natürlich alles", sagte Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher. "Das war eine außergewöhnliche Leistung von ihm." Bei den vierten Plätzen im Mixed und im abgebrochenen Super-Team-Wettbewerb schrammten die deutschen Skispringer jeweils knapp am Podest vorbei, auch hier getragen von Raimunds Glanzleistungen. "Man muss froh über eine Goldmedaille sein. Damit hatte man nicht gerechnet", sagte Ex-Bundestrainer Werner Schuster bei Eurosport. "In der Summe lief es nicht perfekt, aber man kann leicht positiv bilanzieren."
Schmitt: Kein uneingeschränkt positives Fazit
Die weiteren Platzierungen sind allerdings nicht unbedingt erfreulich. Weder Felix Hoffmann mit Platz 13 von der Normalschanze und Rang 25 auf der großen Anlage, noch Pius Paschke (23./24.) konnten überzeugen. Andreas Wellinger (17./15.) steigerte sich zumindest und verpasste im Super Team mit Raimund am Ende extrem knapp die Medaille. Es ist Spekulation, ob es mit dem zuletzt formstarken Karl Geiger in Predazzo besser gelaufen wäre. Geiger kam kurz vor Olympia mit Platz drei in Willingen richtig in Schwung.
Der frühere Skisprung-Star Martin Schmitt unterstrich daher den Coup von Raimund nochmals: "Gold überstrahlt alles. Im Rückblick wird immer die Goldmedaille zählen", erklärte der heute 48-Jährige bei Eurosport. "Es ist aber nicht ein uneingeschränkt positives Fazit. Es gelingt nicht bei jedem Großereignis, dass man auf den Tag x abliefert."
Nur eine Medaille gab es zuletzt vor 16 Jahren
Weil die Frauen ohne Medaille komplett enttäuschten, gab es wie zuletzt 2010 in Vancouver nur einen Podestplatz für die Skispringer. Damals holte die Mannschaft Silber. Vor vier Jahren in Peking sammelte das deutsche Team drei Medaillen, wenn auch kein Gold. "Wir sind fulminant rein gestartet mit dem Philipp. Die Saison lief ja nicht so toll bis dahin. Sie lief auch nicht total schlecht", erklärte Horst Hüttel, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV).
In den verbleibenden sechs Wochen bis zum Saisonende soll zumindest der Raimund-Schwung mitgenommen werden. "Die Arbeit wird uns nicht ausgehen", sagte Hüttel. "Es gibt einiges zu resümieren." In zwei Wochen geht es im österreichischen Bad Mitterndorf im Skifliegen weiter. Raimund ist im Weltcup Sechster, Hoffmann auf Platz acht.
Bis dahin könnte es auch eine Entscheidung geben, wer die Nachfolge von Bundestrainer Horngacher antritt. Der Österreicher hört nach über sieben Jahren als Coach beim DSV auf. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer guten Lösung fürs Gesamtsystem", betonte Hüttel, der mit einer Entscheidung bis spätestens "Mitte/Ende März" rechnet. Während der Olympischen Spiele wollte Hüttel "keine Wasserstandsmeldungen" abgeben.
Bundestrainer-Kandidat Stöckl?
Gehandelt wurde zuletzt der Österreicher Alexander Stöckl. Der 52-Jährige war früher selbst Skispringer. Als Trainer betreute er viele Jahre die norwegische Nationalmannschaft. Das Ende seiner Amtszeit dort ging alles andere als geräuschlos über die Bühne. Mehrere Springer hatten Stöckl in einem Brief an das Skisprung-Komitee kritisiert.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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