
Vollzeitprofis, Studierende, Beamte, Lehrer, Ärzte oder Sportsoldaten: Hinter den deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Paralympischen Spiele in Italien stehen teils durchaus unterschiedliche Lebensrealitäten. Während mehrere Aktive über Förderstellen vor allem finanziell abgesichert sind und sich voll auf den Sport fokussieren können, meistern andere den Para-Sport neben ihrem Job.
"Ich habe den Luxus mit der Sportförderstelle. Das macht einen unglaublichen Unterschied, weil ich keine finanziellen Sorgen habe. Ich bin abgesichert und kann in Ruhe meinem Sport nachgehen", sagte Para-Biathletin Anja Wicker. Wer auf Paralympics-Niveau konkurrieren wolle, brauche diese Unterstützung: "Auf höchstem Niveau kann man eigentlich nebenher keinen Beruf ausüben. Man muss Profi sein und täglich trainieren, sonst wird das nichts."
Bundeswehr und Zoll erleichtern Training
Die 34-Jährige ist Teil des Zoll Ski Teams, das seit 2017 auch Para-Sportler aufnimmt. Rund 80 Stellen gibt es dort für Wintersportler – der Großteil entfällt allerdings auf Nicht-Para-Athleten. Auch ihre sehbehinderte Teamkollegin Leonie Walter profitiert von der Förderung der Behörde. "Ich habe die Sicherheit durch meine Zoll-Stelle und die Sporthilfe. Ohne wäre es schwer, den Para-Sport finanziell zu stemmen", berichtete die 22-Jährige.
Ihr Guide ist Sportsoldat– ebenso wie seit kurzem auch Emily Weiß, Begleitläuferin der sehbehinderten Johanna Recktenwald. "Im September gab es die Möglichkeit mit der Bundeswehr. Seitdem können wir viel mehr und besser trainieren und sind auf einem ganz anderen Level", berichtete die 22-Jährige, die zudem noch studiert. Gerade weil sie mit Recktenwald nicht im Dunkeln trainieren könne, seien verlässliche Trainingszeiten wichtig.
Auch die alpine Paralympicssiegerin Anna-Lena Forster über den Zoll ist finanziell so abgesichert, dass sie sich ganz auf den Sport konzentrieren kann. "Ich bin Berufssportlerin. Das heißt, ich habe keine zollspezifische Aufgabe. Ich bin dort in der Spitzensport-Fördergruppe", sagte die Erste Zollhauptwachtmeisterin, die in Cortina d'Ampezzo Abfahrt-Gold gewonnen hatte.
Trotz Vollzeitjobs bei Paralympics
Während einige andere Para-Athleten ebenfalls studieren, müssen andere Beruf und Sport kombinieren. Para-Langläufer Steffen Lehmker arbeitet etwa als Berufsschullehrer. Für seine zweite Paralympics-Teilnahme hat der 37-jährige derzeit Sonderurlaub. "Diese Strukturen etwa mit dem Zoll kamen erst relativ spät. Um Sicherheit und nicht permanent Druck zu haben, habe ich mein Studium abgeschlossen und dann begonnen zu arbeiten", berichtete er.
Durch seinen Job trainiert er deutlich weniger als andere und weiß, dass er nicht auf dem allerhöchsten Niveau konkurrieren kann. "Es ist schon schwer, überhaupt ein gewisses Niveau zu halten mit einem Beruf", betonte er und ist kein Einzelfall: Einer seiner Teamkollegen arbeitet als Haustechniker, ein anderer ist Assistent der Geschäftsführung. "Es wäre mal spannend zu gucken, ob es Medaillengewinner gibt, die nebenbei voll arbeiten", sagte Lehmker.
Besonders auffällig wird der Amateurstatus bei der Para-Eishockeymannschaft: Unter den 17 Spielern sind neben Studenten auch ein Arzt, ein Sozialarbeiter, ein Zimmermeister und ein Kaufmann. "Die Amerikaner verdienen damit ihr Geld und sind den ganzen Tag auf dem Eis. Wir sind Vollzeit-Arbeiter und messen uns mit Vollzeit-Profis, das sieht man dann auch am Ergebnis", sagte Felix Schrader, Angestellter im öffentlichen Dienst, nach dem 0:13 gegen die USA.
Zu wenige Förderplätze für Para-Sport
Während die deutschen Paralympioniken in Italien derzeit zwar alle von der Sporthilfe unterstützt werden und monatlich zwischen 75 und 800 Euro erhalten, kritisieren Athleten und Verband insgesamt zu wenige Förderplätze im Para-Sport. Zuletzt forderten daher 196 deutsche Para-Athleten in einer gemeinsamen Erklärung mehr Gelder und eine bessere Absicherung. Ihr Ziel: langfristig mindestens 200 Para-Förderplätze im Bundeshaushalt 2027.
Derzeit gibt es laut Athletenvertretung "Athleten Deutschland" nur 168 Para-Förderplätze, während im Schnitt rund 200 deutsche Sportlerinnen und Sportler an Paralympics im Sommer und Winter teilnehmen. Im olympischen Bereich stehen indes nach Angaben des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) rund 1700 Förderplätze für zuletzt knapp 620 Teilnehmer an Sommer- und Winterspielen zur Verfügung.
"Wir haben den paralympischen Sport in den letzten Jahren auch aufgesattelt, aber die Verteilung ist schon nochmal anders als beim olympischen Sport", bestätigt auch Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein am Rande ihres Besuchs in Italien. "Wir sind da in einem sinnvollen Austausch, auch mit den Sportverbänden", betonte die CDU-Politikerin auch mit Blick auf die Haushaltsverhandlungen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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