
Michael Schiele sprintete in höchstem Tempo davon, doch der Bierdusche seiner Aufsteiger entkam der Trainer der Würzburger Kickers nicht. Nach der erfolgreichen Relegation (1:0-Sieg auswärts und 2:1-Erfolg im eigenen Stadion) gegen Lok Leipzig kehren die Franken nach einer vierjährigen Abstinenz in die 3. Liga und damit in den deutschen Profifußball zurück.
Düsseldorf statt Ansbach
"Ich bin hierhergekommen, um aufzusteigen. Die Jungs haben sich super weiterentwickelt, wir sind ohne Niederlage in die Relegation gekommen", sagte Schiele im Anschluss an den letzten Schritt, den die Kickers mit einer überlegenen Performance am Montagabend gingen. Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf sind ab Sommer die neue Würzburger Realität - und nicht mehr TSV Buchbach oder die SpVgg Ansbach.
"Es ist einfach überragend, wir haben das super gezogen. Die Jungs haben das, was wir vorgegeben haben, super umgesetzt", sagte Schiele, der im Frühjahr übernahm und nach seiner erfolgreichen ersten Amtszeit zwischen 2017 und 2020 nun wieder einen Aufstieg am Main verantwortet. Seit der 48-Jährige im März Trainer wurde, steigerten sich die Kickers merklich.
Schiele: "Mache einen Partybefehl"
Für den erfolgreichen Aufstieg spielte aber auch Glück mit. Zur Relegation gegen Nordost-Meister Lok Leipzig kam es für Würzburg nur, weil Meister 1. FC Nürnberg II auf sein Aufstiegsrecht verzichtete. So staubten die Kickers diesen Platz ab und belohnten sich in zwei Duellen mit Leipzig, das zum dritten Mal nach 2020 und 2025 in der Relegation leer ausgeht.
Während Würzburgs Vorstandsvorsitzender André Herber die allgemeine Euphorie mit Verweis auf die viele bevorstehende Arbeit dämpfte, gab Schiele in Jeans und nassem T-Shirt bei MagentaSport die Devise für die kommenden Tage aus: "Ich mache einen Partybefehl! Die Jungs wollen Party machen und die Stadt abreißen – und ich denke, sie werden sich was einfallen lassen. Wir werden die ganze Woche feiern!"
In der 3. Liga warten für das Team, das in diesem Jahr maßgeblich von den beiden Stürmern Jermain Nischalke und Tarsis Bonga geprägt wurde, attraktive Duelle mit Ingolstadt und Regensburg. Nicht mehr dabei sein wird dann Führungsspieler Peter Kurzweg, der seine Profikarriere beendet und künftig nur noch im Bezirksliga-Team kicken wird.
Leipzigs Fans: "System ist krank"
"Hier bin ich Profi, hier beende ich jetzt meine Karriere vor ausverkauftem Haus mit einem Aufstieg. Ich bin gerade der glücklichste Mensch auf der Welt", sagte der 32 Jahre alte Kurzweg, der neben Würzburg auch für den TSV 1860 München, Union Berlin und den FC Ingolstadt spielte.
Für Lok ist es ein unrühmliches und denkwürdiges Triple des Scheiterns, für das der Club selbst nichts kann - der Deutsche Fußball-Bund (DFB) umso mehr. Denn aus fünf Staffeln der Regionalliga dürfen nur vier Teams hoch in den Profifußball. Und Lok Leipzig war nun schon wieder der Leidtragende dieses Prozesses, der aus der 3. Liga immer mehr ein West-Produkt macht.
In der kommenden Saison werden 19 West-Clubs und Rostock in der 3. Liga spielen. Das ist durchaus eine Folge der Reform, wonach seit 2021 die Meister aus den Regionalligen Südwest und West direkt hochgehen. "Euer System ist krank", stand nach dem Abpfiff auf einem Banner der in gelb gekleideten Fans von Lok Leipzig.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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