
Die Hitzewelle hat am Wochenende ihren Höhepunkt erreicht und Deutschland Extremtemperaturen in Serie beschert: Erst am Freitagnachmittag hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach vorläufigen Angaben in Saarbrücken-Burbach mit 41,3 Grad die bis dahin höchste Temperatur in Deutschland registriert. Am Samstag wurden an derselben Station um 15 Uhr dann 41,4 Grad gemessen. Den absoluten Rekord jedoch registrierte der DWD um 16.20 Uhr mit 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt.
Die folgende Nacht war dann nach vorläufigen DWD-Angaben die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Im ostsächsischen Kubschütz sank die Nachttemperatur nicht unter 29,4 Grad: Damit wurde der alte Rekord für die wärmste Nacht - 27,2 Grad am 13. August 2003 am Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz - um mehr als zwei Grad übertroffen.
250 Stationen mit so hohen Werten wie nie zuvor
Der DWD teilte für Samstag gleich mehrere bundesweite Rekorde mit: An 46 Stationen wurden mindestens 40,0 Grad gemessen. An insgesamt 250 Stationen wurden so hohe Werte gemessen wie nie zuvor, an 211 weiteren Stationen Rekordwerte für Juni. Es handelt sich allerdings ebenfalls um vorläufige Werte - sie könnten vom Wetterdienst im Nachhinein noch korrigiert werden.
Der vorherige Hitzerekord für Deutschland hatte bei 41,2 Grad Celsius gelegen, gemessen am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen. Die bisher höchste jemals gemessenen Juni-Temperatur für Deutschland waren 39,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Bernburg in Sachsen-Anhalt.
Schienenverkehr und Autobahnen leiden
Wegen der Hitze rieten die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen am Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. "Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen", hieß es in einer online veröffentlichten Bahn-Mitteilung.
Am Samstagabend strandeten mehr als 600 Passagiere ohne Klimaanlage in einem Zug in der Prignitz in Brandenburg. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus, wie Kreisbrandmeister Christian Reisinger mitteilte. Ein Baum war bei einem Sturm am frühen Samstagabend auf eine Oberleitung gefallen und der Zug der tschechischen Bahn (České dráhy), der von Hamburg nach Prag fahren sollte, verlor seinen Fahrstrom.
Auch der Straßenverkehr litt unter Hitzeschäden. Nach einer Liste des ADAC waren am Wochenende etliche Autobahnen in vielen Bundesländern von Sperrungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen betroffen. Vielerorts wölbte sich die Fahrbahn bei Hitze auf, weil sich der Beton ausdehnte. Betroffen sind nach Angaben der Autobahn GmbH vor allem ältere Fahrbahnen, die stark beansprucht wurden oder bereits mehrfach repariert werden mussten.
Mindestens zehn Menschen ertrinken
Seit Freitag starben mindestens zehn Menschen durch Badeunfälle. In Berlin wurden am Samstag zwei Männer tot aus unterschiedlichen Gewässern geborgen, ein 27-Jähriger ertrank im Neckar bei Heidelberg und ein 30-Jähriger starb in einem Badesee bei Neuhofen südlich von Mannheim. In Hessen wurde südwestlich von Frankfurt ein 40-Jähriger tot aus dem Waldsee Raunheim geborgen. Ein sechsjähriger Junge ertrank im Rhein-Herne-Kanal in Herne.
Bereits am Freitag war im Seepark Lünen bei Dortmund ein 45 Jahre alter Mann von Besuchern aus dem Wasser gezogen worden. Er starb laut Polizeiangaben später im Krankenhaus. Ein acht Jahre alter Junge wurde nach zweistündiger Suche tot aus einem Badesee in Isernhagen bei Hannover geborgen. Ebenfalls nach stundenlanger Suche wurden die Leichen von zwei Schwimmern am Freitag im Bodensee gefunden. Die älteren Männer waren am Donnerstag vor den Augen ihrer Frauen in den See gesprungen und verschwunden.
Abkühlung am Montag erwartet
Die Hitzewelle sollte sich im Laufe des Sonntags nach Osten verschieben. Der DWD kündigte teils schwere Unwetter an. Im Tagesverlauf seien vor allem im Osten, vereinzelt aber auch im Westen und im Süden schwere Gewitter mit heftigen Starkregen und Hagel möglich. Auch für die Nacht zum Montag kündigte der DWD vor allem aus Westen und Südwesten über die Mitte hinweg bis in den Osten und Nordosten ziehende, teils schwere Gewitter an. Für den Montag waren dann niedrigere Temperaturen angesagt, bei Höchstwerten zwischen 25 und 29 Grad, lokal im Osten und Südosten bis 32 Grad.
Extreme Wetterlagen wie diese sind wegen der Klimakrise hierzulande häufiger geworden - und dürften weiter zunehmen. Zahlen des Wetterdienstes belegen, dass die durchschnittliche Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad in Deutschland zugenommen hat.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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