
Feuer in einer Ziegelei, Notruf, Alarm - und auf dem Dach der Feuerwache Wiesbaden-Igstadt öffnen sich die beiden Dachhälften einer Drohnen-Dockingstation. Mit leisem Surren steigt das kleine rot-gelbe Fluggerät mit vier winzigen Propellern senkrecht auf. Rasch entschwindet es zum Brandort. Erst jetzt öffnet sich unten ein großes Tor. Heraus kommt ein Feuerwehrfahrzeug und beschleunigt mit Martinshorn.
Es ist nur ein simulierter Alarm bei einem hessenweit einmaligen Pilotprojekt: Zunächst ein Jahr lang testet die Feuerwehr Wiesbaden fortan eine automatisiert alarmierbare Drohne. Sie soll einen raschen Überblick etwa über Brände und Verkehrsunfälle liefern, um der Einsatzleitung die strategische Planung zu erleichtern. Generell verwenden Feuerwehren in Hessen schon länger Drohnen mit Kameras - doch diese steigen erst im Laufe von Einsätzen auf.
Feuerwehrsprecher: Es kann um Menschenleben gehen
Bei Notfällen etwa mit Verletzten in Brandwohnungen zählt für Feuerwehrleute jede Minute oder gar Sekunde - die neuartige Vorauserkundung mit automatisierter Luftaufklärung kann wertvolle Zeit sparen für zielgerichtete Einsätze. "Im Zweifel geht es da auch um Entscheidungen, die Menschen retten können", sagt der Wiesbadener Feuerwehrsprecher Jörg Heck.
Auf dem geteilten Bildschirm im Feuerwehrzeug lassen sich rechts die Bewegtbilder der Drohne auf dem Luftweg zum simulierten Brand in einer Ziegelei verfolgen - wie beim Blick aus einem Flugzeug mit niedriger Höhe. Links auf dem Bildschirm laufen die Bewegtaufnahmen einer Wärmebildkamera der Drohne. Die gleichen Aufnahmen können auch auf die Tablets beteiligter Feuerwehrleute überspielt werden.
Wärmebilder können verunglückte Schlittenfahrer im Wald zeigen
Wärmebilder sind laut Branddirektor Thorsten Wenderhold bei der Suche nach Vermissten überaus nützlich: "Wir hatten schon verunglückte Mountainbiker und Schlittenfahrer im Wald." Bei normalen Luftaufnahmen können Bäume vermisste Menschen verbergen.
Das neue wendige Mini-Fluggerät der Berufsfeuerwehr Wiesbaden und auch die steuernden Piloten stellt die Berliner Drohnennetzwerk-Firma Skyflow zur Verfügung. Feuerwehr-Einsatzleiter Fabian Kiefer sagt in Wiesbaden-Igstadt: "60.000 Euro kostet uns das Pilotprojekt für ein ganzes Jahr. Darin ist alles enthalten." Nach dem Pilotprojekt werde weitergesehen.
Skyflow-Geschäftsführer Daniel Hoppe erklärt, in der Stadt und im Landkreis München sei das erste Pilotprojekt seiner Firma gestartet - nun folge die Feuerwehr in Wiesbaden bundesweit "an zweiter Stelle". Danach plane seine Firma derartige Projekte mit Feuerwehr-Leitstellen auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern.
Die auf dem Dach der modernen Feuerwache im ländlich geprägten Wiesbadener Stadtteil Igstadt stationierte Vorauserkundungsdrohne startet mit Kameras und Sensoren. Die hessische Landeshauptstadt teilt mit: "Die übertragenen Livebilder stehen sowohl in der Integrierten Leitstelle Wiesbaden als auch direkt an der Einsatzstelle zur Verfügung."
100 bis 120 Meter Flughöhe
Nach der Freigabe durch einen Drohnenpiloten finde das Flugobjekt mit seiner berechneten Luftroute in 100 bis 120 Metern Höhe den Einsatzort. Sensoren erkennen nach den Angaben etwaige Hindernisse, die umflogen werden. Am Einsatzort könne die Drohne für ihre Kameraaufnahmen sinken - mit einem Sicherheitsmindestabstand von 30 Metern zum Boden.
All dies beeindruckt auch Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU). Er sagt der Deutschen Presse-Agentur: "Ich begrüße das Drohnenprojekt der Feuerwehr Wiesbaden. Vorauserkundungsdrohnen leisten einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung und Leistungsfähigkeit der Gefahrenabwehr."
Diese kleinen Fluggeräte verbessern laut dem Minister "die Lageerkundung, erhöhen die Eigensicherung der Einsatzkräfte und unterstützen schnelle, fundierte Führungsentscheidungen". Derartige kommunale Pilotvorhaben lieferten dem Land "wertvolle Erfahrungswerte für die Weiterentwicklung von Standards und Rahmenbedingungen", ergänzt Poseck.
Das Unternehmen Skyflow erläutert mit Blick auf seine "haftpflichtversicherte" Drohne: "Startbereit in unter 25 Sekunden aus der vollautonomen Dockingstation, ohne Personal vor Ort." Alles laufe nach einem Alarm automatisiert, die firmeneigenen "Remote Pilots übernehmen den Flugbetrieb aus der Ferne".
Laut der Stadt Wiesbaden können die Drohnenpiloten "jederzeit eingreifen, etwa um Menschenansammlungen zu meiden oder den Flug bei anfliegenden Hubschraubern zu unterbrechen".
Notfallschirm
Und was passiert bei einer technischen Panne des kleinen Fluggerätes? "Die Drohne verfügt über Sicherheitsmechanismen wie automatische Landung, Rückkehrfunktion und Notabschaltung", erklärt die Landeshauptstadt. Falls auch dies in einem "unwahrscheinlichen Fall" schiefgehe, gebe es noch einen Drohnen-Notfallschirm, um die Aufprallenergie auf dem Boden deutlich zu mindern.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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